Pressespiegel

Milliardenschwere Opernsanierung: Entscheidung über Ausweichspielstätte verschoben

By 29. Juli 2026August 3rd, 2026No Comments

Der Stuttgarter Gemeinderat will sich nun doch erst im Herbst mit dem Interim für die Oper beschäftigen. Die Stadtverwaltung warnt vor steigenden Kosten durch weiteres Aufschieben.

Die geplante Interimsspielstätte an den Wagenhallen ist ein zentraler Baustein der milliardenschweren Sanierung der Württembergischen Staatstheater. Ohne das Ausweichquartier können die umfangreichen Arbeiten am denkmalgeschützten Littmann-Bau sowie an den angrenzenden Betriebsgebäuden nicht beginnen. Der Gemeinderat hatte ursprünglich noch vor der Sommerpause über den überarbeiteten Entwurf abstimmen sollen, vertagte die Entscheidung jedoch auf Ende September. Ausschlaggebend waren Forderungen mehrerer Fraktionen, zunächst weitere Einsparpotenziale für das Gesamtprojekt zu prüfen.

Der aktuelle Entwurf für die Interimsspielstätte wurde gegenüber den ursprünglichen Planungen deutlich reduziert. Die Flächen wurden um rund 40 Prozent verkleinert, die Zahl der Sitzplätze von 1.200 auf 1.040 reduziert und die Bauweise vereinfacht. Zudem wurde das ursprünglich vorgesehene Wohnungsbauprojekt vom Operninterim getrennt. Durch diese Anpassungen sollen die Kosten auf maximal 289 Millionen Euro begrenzt werden. Trotz der Einsparungen soll die Spielstätte weiterhin den vollständigen Opern- und Ballettbetrieb während der Sanierungsphase ermöglichen.

Im politischen Raum wird jedoch nicht nur über die Interimsspielstätte, sondern über den Umfang des gesamten Sanierungsvorhabens diskutiert. Vertreter verschiedener Fraktionen fordern eine Überprüfung des Raumprogramms, weitere Kostensenkungen sowie belastbare Aussagen zu den Gesamtkosten der Opernsanierung. Die bislang letzte offizielle Kostenschätzung aus dem Jahr 2019 liegt bei etwas mehr als einer Milliarde Euro, gilt aufgrund der zwischenzeitlich gestiegenen Baupreise jedoch als überholt.

Die Stadtverwaltung warnt unterdessen vor den Folgen weiterer Verzögerungen. Das historische Opernhaus weist einen erheblichen Sanierungsbedarf auf, und jedes Jahr des Aufschubs verursacht nach Angaben der Verantwortlichen zusätzliche Baukosten in zweistelliger Millionenhöhe. Gleichzeitig steigt das Risiko, dass der Spielbetrieb aufgrund des baulichen Zustands des Gebäudes eingeschränkt oder kurzfristig eingestellt werden muss. Die aktuelle Diskussion verdeutlicht einmal mehr die Herausforderungen, große Kulturimmobilien unter den Anforderungen von Denkmalschutz, Wirtschaftlichkeit und langfristiger Nutzbarkeit erfolgreich zu modernisieren.

von: Katja Trautwein | erschienen am 29.07.2026 auf www.tagesschau.de