Pressespiegel

Großbaustelle: Museen im Land

By 18. Januar 2026Januar 21st, 2026No Comments

Fast alle großen Museen Baden-Württembergs müssen saniert werden. Was heißt das fürs Publikum und vor allem: Wer zahlt die Zeche?

In Baden-Württemberg stehen zahlreiche bedeutende Museen vor aufwendigen Sanierungen, die teils über viele Jahre hinweg geplant sind und erhebliche Auswirkungen auf den laufenden Museumsbetrieb haben. Grund dafür sind veraltete Gebäudestrukturen, energetische Defizite, technische Mängel sowie gestiegene Anforderungen an Klima-, Brand- und Arbeitsschutz. Da Kunstwerke empfindlich auf Staub, Feuchtigkeit und Erschütterungen reagieren, sind die Maßnahmen besonders komplex und erfordern häufig vollständige oder teilweise Schließungen.

Ein zentrales Beispiel ist die Staatsgalerie Stuttgart. Nach mehr als vier Jahrzehnten Betrieb muss insbesondere die Neue Staatsgalerie umfassend saniert und energetisch optimiert werden. Geplant sind Arbeiten an Gebäudehülle, Glasdächern, Technik und Fassade, während prägende Elemente wie die grünen Böden erhalten bleiben. Während der Schließung soll die Alte Staatsgalerie als Ausweichquartier dienen. Der Beginn der eigentlichen Sanierung ist für 2028 vorgesehen, die Wiedereröffnung des Stirling-Baus wird derzeit für 2034 angestrebt. Die Finanzierung übernimmt das Land, konkrete Kosten können noch nicht beziffert werden.

Auch die Kunsthalle Karlsruhe befindet sich in einer langfristigen Umbauphase. Neben der Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes wird das Museum strukturell neu geordnet und erweitert. Ein überdachter Innenhof soll künftig als zentrale Eingangshalle dienen, zusätzlich ist ein Neubau für zeitgenössische Kunst und museumseigene Einrichtungen geplant. Die Kunsthalle ist seit 2021 geschlossen, die Gesamtschließzeit wird auf rund neun Jahre geschätzt. Die Kosten belaufen sich auf mehr als 118 Millionen Euro, getragen vom Land Baden-Württemberg. Teile der Sammlung sind währenddessen an anderen Orten zu sehen.

Beim Kunstmuseum Stuttgart stehen vor allem energetische Maßnahmen, Sicherheitsupdates und bauliche Instandsetzungen im Vordergrund. Das Museum schließt im April 2026 für mehrere Monate und soll Anfang 2027 wieder öffnen. Die Kosten von rund 5,8 Millionen Euro trägt die Stadt Stuttgart. Für das Publikum werden parallel Ausstellungen an anderen Standorten angeboten.

Das Badische Landesmuseum im Karlsruher Schloss ist seit Herbst 2025 geschlossen. Hier stehen eine umfassende energetische Sanierung, die Modernisierung der technischen Infrastruktur sowie die Herstellung von Barrierefreiheit an. Die eigentliche Bauphase soll voraussichtlich 2028 beginnen und mehrere Jahre dauern. Während der Schließung zeigt das Museum Teile seiner Sammlung an Ausweichstandorten, unter anderem in Baden-Baden und weiteren Häusern des Museumsverbunds.

Eine der tiefgreifendsten Maßnahmen betrifft das Museum Ulm, das seit 2023 vollständig geschlossen ist. Mehrere Gebäudeteile werden saniert oder neu errichtet, darunter ein neues Eingangsgebäude in Passivhausstandard. Neben energetischen Verbesserungen stehen Brandschutz, Sicherheit und Barrierefreiheit im Fokus. Die Wiedereröffnung des gesamten Museums ist für Ende 2029 geplant. Die Kosten belaufen sich auf knapp 13 Millionen Euro, finanziert durch Bund und Stadt.

Der Überblick zeigt: Die Museumslandschaft im Land befindet sich auf Jahre hinaus im Umbruch. Für das Publikum bedeutet das Einschränkungen, Ausweichorte und längere Schließzeiten – langfristig jedoch modernisierte, sichere und zeitgemäße Kulturorte. Finanziert werden die Großprojekte überwiegend durch das Land, ergänzt durch kommunale Mittel und Bundesförderungen.

Von Adrienne Brau | Erschienen am 18.01.2026 auf schwaebische.de

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