Die Sanierung von Theaterbühnen wird in den großen Städten – auch in Bayern – immer öfter zum Trauerspiel. Nur Nürnberg darf sich kurz mal als Glückskind fühlen.
In seiner Kolumne beleuchtet Olaf Przybilla die zunehmenden Herausforderungen großer Theatersanierungen am Beispiel von Würzburg, Augsburg und Nürnberg. Besonders im Fokus steht das Mainfranken-Theater in Würzburg, dessen Sanierungskosten nach ursprünglichen Schätzungen von 21 Millionen Euro aus dem Jahr 2012 inzwischen auf bis zu 250 Millionen Euro steigen könnten. Diese Zahl wurde laut dem Autor von der Main-Post veröffentlicht und kursiert offenbar im Rathaus.
Vor diesem Hintergrund hatten SPD und Volt im Würzburger Stadtrat einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, der die Prüfung eines sofortigen Baustopps mit anschließendem Abriss und Neubau des Theaters vorsah. Oberbürgermeister Alexander Kolbow erklärte dazu, der Antrag sei als Reaktion auf fehlende Kostentransparenz zu verstehen und ziele nicht tatsächlich auf einen Abriss ab. Der Antrag wurde inzwischen zurückgezogen; die Verwaltung soll nun konkrete Zahlen vorlegen.
Auch in Augsburg bleibt die Situation angespannt: Das Große Haus des Staatstheaters ist seit 2016 geschlossen, die Wiedereröffnung ist für 2030 vorgesehen. Zusätzlich steht die Freilichtbühne am Roten Tor aufgrund ihres baulichen Zustands nicht mehr zur Verfügung.
Anders stellt sich die Situation in Nürnberg dar. Dort ist das Schauspielhaus bereits saniert, während für die Oper eine neue Ersatzspielstätte entsteht. Diese soll künftig als Spielort dienen und ermöglicht es der Stadt, die Entscheidung über eine Sanierung des historischen Opernhauses zunächst offenzuhalten. Ob die neue Spielstätte dauerhaft genutzt wird und wie sich die Situation entwickelt, bleibt abzuwarten.
Der Autor ordnet die unterschiedlichen Entwicklungen in den überregionalen Kontext steigender Baukosten und langwieriger Sanierungsprojekte ein. Dabei steht insbesondere die Frage im Raum, wie Städte den Erhalt ihrer Theatergebäude angesichts finanzieller und baulicher Herausforderungen langfristig organisieren können.
Von Olaf Przybilla | Erschienen am 27.09.2026 auf sueddeutsche.de

